Streitschlichter-Ausbildung des BerufsschulCampus Schwalmstadt im Jugendzentrum Treysa

Streitschlichter

Von links nach rechts: Michael Schott, Sarah Schraudner, Christin Jansky, Jessica Knaak, Valentina Grillo-O., Anton Pucher, Patrick Kraft, Samanta Kirchner, Marina Skripnik. Untere Reihe: Nadine Sopart, Barbara Rogge, Cecile Keller. Auf dem Foto fehlend: Lea Becker, Aleyna Gören, Angelina Köhler, Lea Müller

Am 27. und 28.9.2017  haben sich 13 SchülerInnen zur Intensivphase der insgesamt 32 Unterrichtsstunden umfassenden Streitschlichterausbildung im Jugendzentrum Treysa zusammen gefunden.

Die Stadtjugendpflege stellte die Räumlichkeiten des JuZ Treysa bereit, damit die aus verschiedenen Klassen des BerufsschulCampus Schwalmstadt bestehende Ausbildungsgruppe außerhalb der Schule erste Erfahrungen mit dem aus 5 Phasen bestehenden Mediationsverfahren sammeln konnte. Geleitet wurde die Gruppe von Nadine Sopart (Schulsozialarbeiterin) und Barbara Rogge (Lehrerin am BerufsschulCampus).

Spaß und Freude beim gemeinsamen Ausprobieren in Rollenspielen und gruppendynamischen sowie bewegungsorientierten Spielen stellten eine praxisorientierte Ergänzung zum Unterricht dar. Einen hohen Stellenwert hatten dabei die Selbsterfahrungsübungen zum eigenen Konfliktverhalten. Auch intensive und persönliche Gespräche in den Pausen bei selbst gebackenem Kuchen stärkten das Gemeinschaftsgefühl, wie die TeilnehmerInnen im Abschlusskreis betonten.

Die Kooperation mit der Stadtjugendpflege (Michael Schott) besteht schon seit dem vergangenen Schuljahr und soll fortgesetzt werden.

Carsten Stahl präsentiert sein Anti-Mobbing-Programm in Ziegenhain

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Carsten Stahl spricht mit den Schülern des BerufsschulCampus Schwalmstadt über Mobbing und seine bewegende Vergangenheit. Seine Erfahrungen gibt er an junge Erwachsene weiter, klärt sie über Kriminalität, Gewalt und Drogen auf und rührt damit zu Tränen.

Von VANESSA VON LENGERKEN

Ziegenhain. Einfühlsam, emotional, nahbar – das mögen zuerst keine Merkmale sein, die man diesem muskelbepackten, tätowierten Mann zuschreiben würde, der da durch die Tür kommt. Doch der äußere Eindruck täuscht. Nach einer turbulenten Vergangenheit mit Kriminalität, Drogen, Knast und eigener Fernsehserie hat Carsten Stahl nun seit knapp drei Jahren einen neuen Lebensinhalt, der ihm sehr am Herzen liegt.

Seine 2014 gegründete Initiative „Camp Stahl“ kämpft für Respekt, Mut, Toleranz und gegen Gewalt, Mobbing und Drogen. Und vor allem um Mobbing geht es am Montagmorgen im Raum 110 des BerufsschulCampus Ziegenhain.

Knapp 50 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren strömen in den Raum – euphorisch, weil heute Mathe und Physik ausfallen. Sie lachen, scherzen und necken sich gegenseitig, alle reden durcheinander. Doch nur wenige Minuten später wird auch die größte Klappe ganz still, als Carsten Stahl sich vor die Gruppe stellt. Viele kennen ihn aus der Fernsehserie „Privatdetektive im Einsatz“. Rufe nach Autogrammen und Selfies ertönen.

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Doch bevor Stahl darauf eingeht, bringt er den Schülern sein Programm näher. Und das ist ein sehr ungewöhnliches. Anstatt eines schnöden Vortrages mit Fakten und Statistiken steht er einfach vor den Schülern und erzählt aus seinem Leben – ungeschönt, mit allen brutalen und traurigen Facetten. Das Konzept kommt an. Mit seinen kritischen und ehrlichen Worten fesselt er die Jugendlichen: „Ich verspreche euch eines – und das beim Leben meiner Kinder: Ich werde heute zu euch absolut ehrlich sein. So ehrlich, wie wahrscheinlich noch kein Erwachsener zu euch war.“

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Er wird sein Versprechen nicht brechen. Seine Ehrlichkeit ergreift manchen jungen Erwachsenen so sehr, dass sogar Tränen fließen. „Ich bin anders und meine Andersheit hat mich da hingebracht, wo ich jetzt bin“, erklärt Stahl sein Erfolgsrezept. Der Ex-TV-Promi ist im Brennpunkt Berlin-Neukölln groß geworden. „Die Straße hat meinen Charakter gebildet und meine Seele gebrochen“, gibt er zu.

Deshalb weiß er auch, wovon er spricht und will andere davon abhalten, denselben kriminellen Weg mit ähnlichen Erfahrungen, Qualen und Leiden einzuschlagen. Nach Jahren der Bandenkriminalität, des Drogenrauschs, nach Erfahrungen mit Tod und Gewalt bis hin zu Selbstmordgedanken, schaffte er es, aus dem Teufelskreis herauszukommen. Heute ist er überzeugt: „Es zeugt von wahrer Größe, Probleme friedlich zu lösen. Gewalt und Kriminalität haben keine Zukunft.“

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Mit dieser Authentizität kommt der Neuköllner bei den Jugendlichen an – besser als so mancher Pädagoge. Das weiß er auch: „Ich schaffe Räume, die Pädagogen und Psychologen nachhaltig nutzen können.“ Stahl bricht mit seinem Anti-Gewalt- und Anti-Mobbing- Programm ein Tabu-Thema.

„Mobbing ist leider ein allzu häufig totgeschwiegenes Thema. Dabei ist Deutschland die schlimmste Mobbing-Nation der Erde. Jährlich gibt es zwischen 500.000 und 1.000.000 Fälle von Mobbing an deutschen Schulen. Das reicht vom Sachen wegnehmen, Auslachen, Beleidigen, bis hin zum Demütigen, Schlagen und Treten. Gerade bei Mädchen ist das Lästern verbreitet. Doch die größte Gefahr ist mittlerweile das Mobben im Internet und per Handy“, sagt Stahl.

Für ihn ist das Handy eine Waffe, mit der man gezielt und anonym Menschen verletzen kann. Deshalb hat der Anti-Mobbing-Experte die Parteien angestoßen, dem entgegenzuwirken. Früher habe man ihn belächelt für sein Vorhaben oder sogar schlechtgeredet aufgrund seiner Vergangenheit, erzählt Stahl. Mittlerweile unterstützen ihn Politiker und Prominente. In der nächsten Zeit sollen ein Buch und eine Fernsehsendung erscheinen.

„Früher hat man mir immer eingetrichtert: Du bist nichts, du hast nichts und du wirst auch nichts. Heute habe ich eine Auszeichnung vom Bundestag, eine Mappe voller Referenzen und dankbare Briefe von über 4.000 Schülern, denen ich helfen konnte – das macht mich wahnsinnig stolz und glücklich.“

Quelle: lokalo24.de

Studierende im Rollenwechsel

Projekttage2017

Zum 13. Mal begrüßen die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen in Ziegenhain „die Neuen“ an ihrer Schule - Teil 2

Montagmorgen, 28. August 2017, 07.15 Uhr, Hessenallee 14 - während es im Schulgebäude um diese Uhrzeit normalerweise sehr geruhsam zugeht, herrscht heute hektische Betriebsamkeit. Man sieht junge Menschen mit einer Vielzahl von Taschen und Tragekörben über den Schulhof oder durch die Flure flitzen. „Herr Riehm, wir brauchen ihren Schlüssel“, ist zu hören oder „Frau Rothschädl, können Sie uns schnell Raum 60 aufschließen?“ Bevor die TeilnehmerInnen der diesjährigen Projekttage um 8.00 Uhr eintreffen, gibt es für die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen noch viel zu tun. Räumlichkeiten werden hergerichtet, Materialien ausgelegt, die Technik gecheckt ... und bei einem letzten Rundgang durch die Gruppen scheint es als würden die angehenden ErzieherInnen im zweiten Ausbildungsjahr auch innerlich einen Wandlungsprozess durchmachen. Sie sind nun diejenigen, die drei Tage lang für das Programm sowie die ihnen anvertrauten Menschen in der Verantwortung stehen - interessanterweise gehen viele aufrechter und entschlossener als sonst durch das Schulgebäude.

Um kurz vor acht Uhr füllt sich die Pausenhalle. Junge Menschen, viele neu an der Schule, warten darauf, von ihren ProjektleiterInnen in Empfang genommen zu werden, was auch zumeist gut klappt, jedoch nicht in allen Fällen. Eine Teilnehmerliste ist seltsamerweise spurlos verschwunden und hängt nicht mehr am „Schwarzen Brett“, was für Verwirrung unter den Beteiligten sorgt. Doch diese Hürde ist schnell genommen und so stößt man schon bald auf Gruppen im Pausenhof oder der Pausenhalle, die sich bei Kennenlernspielen näher kommen. Andere Gruppen ziehen wandernd in den Wald, erobern die Küchen, treffen sich in der Bewegungshalle oder auch in den Gestaltungsräumen. Insgesamt elf Projektgruppen gibt es. Wald- und naturpädagogische Angebote, gemeinsames Kochen, eine Fotowerkstatt,   Bewegung, Spiel und Entspannung sowie „Aus alt macht neu“ oder „Do it yourself“ stehen auf dem Programm. Zwischendurch trifft man immer wieder auf Kleingruppen im Schulgebäude, die sich mit Händen und Füßen zu verständigen versuchen. Nicht immer spricht man die gleiche Sprache, am Ende ahnt man aber zumeist, was gemeint ist und quittiert die Bemühungen des anderen mit einem Lächeln.

Drei Projekttage gehen schnell vorbei. Eine Studierene der Fachschule kommentiert: „Es ist wie beim Essen zubereiten. Die Vorbereitungen dauern ewig und dann hat man in zehn Minuten alles aufgegessen.“ Das Bild passt, denn die zu leistende gedankliche Vorarbeit nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch als die Durchführung der Projekttage selbst - die Arbeit mit Menschen will eben gut durchdacht und vorbereitet sein. Jedoch lässt sich längst nicht alles planen. So lernen die Studierenden der Fachschule ihre TeilnehmerInnen erst mit Projektbeginn kennen und planen damit immer auch ins Ungewisse, was durchaus Verunsicherung und Spannung auslöst. In der Heterogenität der Gruppen liegt eine der großen Herausforderung für die ProjekteilerInnen. Neben den Unterstufenklassen der Sozialassistenz und Fachschule für Sozialwesen nehmen auch PuSCH-Klassen (Praxis und Schule) sowie mehrere InteA-Klassen (Integration durch Anschluss und Abschluss) teil.  Dadurch ergibt sich eine große Vielfalt hinsichtich der angestrebten Bildungsabschlüsse, des Alters, der Nationalitäten und auch hinsichtlich der Sprachen bzw. des Sprachverständnisses. Spätestens am zweiten Projekttag ist jedoch das Eis zwischen den ProjektleiterInnen und Teilnehmenden gebrochen. Am Ende des dritten Tages treffen sich alle Projektgruppen zur Abschlusspräsentation in der Bewegungshalle. Jede Gruppe erhält die Gelegenheit ihre Arbeiten vorzustellen und dabei werden u.a. Kunstwerke aus Gips, Alltagsgegenständen und Naturmaterialien, aber auch Fotoarbeiten oder Kurzfilme präsentiert. Immer wieder ist Applaus, Lachen und „Danke, das habt ihr toll gemacht“ zu hören. Eine der Gruppen stellt ein gemeinschaftlich erarbeitetes Gipsbild vor, das den Titel „Gemeinsam sind wir stark“ trägt. Die Gruppe bringt auf den Punkt, was während der drei Tage gut zu spüren ist: Wir alle sind verschieden, aber uns eint das menschliche Bedürfnis nach Akzeptanz, Wertschätzung und Verständigung. „Wir sind eine Schule gegen Rassismus und mit Courage - wir stellen uns gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt und stehen für Zusammenhalt und Gemeinschaft“, so der prägnante Schlusssatz.

Bei der Reflexion zwei Tage später sitzen die angehenden Fachkräfte wieder munter in der Runde. Bei der Frage nach ihren Erfahrungen wird deutlich: Planung vorab ist wichtig - echte Nähe zu Menschen entsteht aber dort, wo man bereit ist, sich ernsthaft auf sein Gegenüber einzulassen.

Für die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen im zweiten Ausbildungsjahr geht die Arbeit weiter. Eine wesentliche Aufgabe der angehenden Fachkräfte besteht nun darin, eine umfassende Dokumentation sowie Reflexion zu schreiben. Auch dies gehört dazu, will man Erzieherin oder Erzieher werden. Zudem stehen weitere Projekte im Rahmen der Ausbildung an. Diese werden im kommenden Jahr in verschiedenen Einrichtungen der sozialpädagogischen Praxis stattfinden.

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Berufsschulcampus Schwalmstadt: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Was es heißt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu sein?

SOR-SMC ist ein Projekt von und für Schülerinnen und Schüler. Es bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden.

Der BerufsschulCampus Schwalmstadt wurde bereits 2010 Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, da bereits damals über 70 % der Schulgemeinde folgende Selbstverpflichtung unterschrieben haben:

  1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt geschieht, diskriminierende Äußerungen fallen oder diskriminierende Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.
  3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.1

Link „Schüler-Informationsblatt SoR-SmC“

Schulpatin: Regine Müller (Landtagsabgeordnete des südlichen Schwalm-Eder-Kreises)

Ansprechpartner SoR-SmC: Nadine Sopart (Schulsozialarbeiterin), Simon Schick (Verbindungslehrer)

Aktuelle Aktionen am BerufsschulCampus zu SoR-SmC:

  • Entwicklung eines Handlungsleitfadens für extremistische Vorfälle: Link
  • Autorenlesungen mit Anna Kuschnarowa.
  • Planung eines Workshoptages für Schülerinnen und Schüler unter dem Titel: „Schwarz-Weiß-Bilder gegen Schwarz-Weiß-Denken“.

1 http://www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/10-fragen-10-antworten/

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