Vor ca. 9 Jahren wurde in Hessen das Projekt SV+ an 15 beruflichen Schulen gestartet. Dabei ging es darum, beruflichen Schulen mehr Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit zu gewähren. Auf Grund weltweiter Vergleichsergebnisse war man zu der Überzeugung gelangt, dass eine möglichst autonome Schule erfolgreicher arbeiten kann als eine, die zu sehr von administrativen Vorgaben gegängelt wird. In Hessen wurde deshalb das Projekt SV+ begonnen. Nachdem nach sieben Jahren das Projekt SV+ abgeschlossen war, waren alle Beteiligten der Meinung, dass sich die Hoffnungen, die man bei Projektstart gehegt hatte, sich nicht alle erfüllten, aber die Ergebnisse doch so überzeugend waren, dass der politische Wille bestand, das Projekt in leicht veränderter Form weiterzuführen bzw. auszuweiten. Vor eineinhalb Jahren wurden deshalb die hessischen Berufsschulen aufgefordert, sich für den, jetzt Selbständige berufliche Schulen (SBS) genannten Prozess zu bewerben. Neben unserer Schule waren es noch 18 weitere Schulen, die sich nach zustimmenden Beschlüssen der verschiedenen Schulgremien auf den Weg in mehr Selbständigkeit und Autonomie machten. Zusammen mit den früheren SV+-Schulen sind es jetzt hessenweit 35 berufliche Schulen die in den Prozess eingestiegen sind.

Mit diesem Prozess sind erhebliche inhaltliche, finanzielle, organisatorische und administrative Veränderungen von Schule verbunden. Alle Neuerungen dienen aber letztendlich dem Hauptziel des Prozesses, nämlich der Verbesserung der Unterrichtsqualität.

So ein komplexer Veränderungsprozess ist nur mit Hilfe und Engagement aller Beteiligten zu realisieren. Nachdem die rechtlichen Voraussetzungen, wie z. B. die Verankerung des Prozesses im hessischen Schulgesetz, die Einführung des großen Schulbudgets, die Verbesserung der personellen Ressourcen oder die Verknüpfung mit dem Projekt Hessencampus (HC) geschaffen waren, geht es jetzt um die praktische Umsetzung vor Ort.

Für die selbstständigen beruflichen Schulen bedeutet dies, an verschiedenen Stellschrauben gleichzeitig drehen zu müssen und den Veränderungsprozess aktiv in Gang zu setzen. Unsere Schule hat mit diesen weitreichenden Veränderungen begonnen.

Gegenwärtig sind es besonders folgende Bereiche, die vom Kollegium und der Schulleitung gemeinsam ins Werk gesetzt werden:

  1. Unter der Regie unseres Qualitätsbeauftragten werden gegenwärtig alle innerschulischen Prozesse in Augenschein genommen um sie zu vereinheitlichen, zu verstetigen und evaluierbar zu machen. Das vorhandene Organisationshandbuch wird deshalb überarbeitet, ergänzt und um ein Qualitätsleitbild erweitert. Schülerfeedback, kollegiale Unterrichtsbesuche und die Evaluation des Schulleitungshandelns sind bereits für die ganze Schule verbindlich oder werden gegenwärtig umgesetzt.
  2. Eine weitergehende Selbstständigkeit von Schule erfordert auch eine veränderte Organisationsstruktur und eine Neuausrichtung von Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechten. Im Rahmen der Steuerungsgruppe unserer Schule wird deshalb gegenwärtig eine Schulverfassung erarbeitet, die diesen neuen Anforderungen gerecht wird. Dieser Prozess ist kurz vor dem Abschluss und die neue Schulverfassung soll noch im laufenden Schuljahr in Kraft gesetzt und die damit verbundene Organisationsstrukturveränderung durchgeführt werden.
  3. Aufgrund der Bereitstellung von zusätzlichen personeller Ressourcen durch das hessische Kultusministerium ist es möglich, im Umfang von vier Wochenstunden fachkompetente Fortbildung im Bereich „veränderte Unterrichtskultur“ ganzjährig für das Kollegium unserer Schule anzubieten.
  4. Mittelbar mit dem SBS-Prozess verbunden ist auch die Überprüfung des Bildungsangebotes sowohl im Teilzeit- als auch im Vollzeitbereich unserer Schule, um so den negativen demografischen Entwicklungen möglichst erfolgreich begegnen zu können. Auch die Ausweitung unserer Bildungsanstrengungen auf den Fort- und Weiterbildungsbereich im Rahmen des Hessencampus (HC) ist Teil dieses Autonomieprozesses.
  5. Unsere Schule wird zunehmend daran gemessen werden, wie sie sich auf dem beruflichen Bildungsmarkt wird behaupten können. Die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit ist dabei ein wichtiges Element. Die gerade von Ihnen aufgerufene neugestaltete Homepage unserer Schule ist Teil dieser Qualitätsinitiative.

Der SBS-Prozess ist ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, das nur gelingen kann, wenn alle Mitglieder der Schulgemeinde dabei aktiv mitwirken. Unser Kollegium und die gesamte Schulleitung hat sich zu diesem Prozess bekannt und ist bereit, diese Aufgabe engagiert und zielgerichtet umzusetzen. Das Ziel, unsere Schule in einigen Jahren nach einem international anerkannten System zertifizieren zu lassen ist nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung möglich. Dass unsere Schule dazu in der Lage ist, hat sich auch daran gezeigt, dass unsere Fachschule für Sozialpädagogik diese begehrte Zertifizierung nach Industriestandard seit ca. zwei Jahren erreicht hat.