Studierende im Rollenwechsel

Projekttage2017

Zum 13. Mal begrüßen die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen in Ziegenhain „die Neuen“ an ihrer Schule - Teil 2

Montagmorgen, 28. August 2017, 07.15 Uhr, Hessenallee 14 - während es im Schulgebäude um diese Uhrzeit normalerweise sehr geruhsam zugeht, herrscht heute hektische Betriebsamkeit. Man sieht junge Menschen mit einer Vielzahl von Taschen und Tragekörben über den Schulhof oder durch die Flure flitzen. „Herr Riehm, wir brauchen ihren Schlüssel“, ist zu hören oder „Frau Rothschädl, können Sie uns schnell Raum 60 aufschließen?“ Bevor die TeilnehmerInnen der diesjährigen Projekttage um 8.00 Uhr eintreffen, gibt es für die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen noch viel zu tun. Räumlichkeiten werden hergerichtet, Materialien ausgelegt, die Technik gecheckt ... und bei einem letzten Rundgang durch die Gruppen scheint es als würden die angehenden ErzieherInnen im zweiten Ausbildungsjahr auch innerlich einen Wandlungsprozess durchmachen. Sie sind nun diejenigen, die drei Tage lang für das Programm sowie die ihnen anvertrauten Menschen in der Verantwortung stehen - interessanterweise gehen viele aufrechter und entschlossener als sonst durch das Schulgebäude.

Um kurz vor acht Uhr füllt sich die Pausenhalle. Junge Menschen, viele neu an der Schule, warten darauf, von ihren ProjektleiterInnen in Empfang genommen zu werden, was auch zumeist gut klappt, jedoch nicht in allen Fällen. Eine Teilnehmerliste ist seltsamerweise spurlos verschwunden und hängt nicht mehr am „Schwarzen Brett“, was für Verwirrung unter den Beteiligten sorgt. Doch diese Hürde ist schnell genommen und so stößt man schon bald auf Gruppen im Pausenhof oder der Pausenhalle, die sich bei Kennenlernspielen näher kommen. Andere Gruppen ziehen wandernd in den Wald, erobern die Küchen, treffen sich in der Bewegungshalle oder auch in den Gestaltungsräumen. Insgesamt elf Projektgruppen gibt es. Wald- und naturpädagogische Angebote, gemeinsames Kochen, eine Fotowerkstatt,   Bewegung, Spiel und Entspannung sowie „Aus alt macht neu“ oder „Do it yourself“ stehen auf dem Programm. Zwischendurch trifft man immer wieder auf Kleingruppen im Schulgebäude, die sich mit Händen und Füßen zu verständigen versuchen. Nicht immer spricht man die gleiche Sprache, am Ende ahnt man aber zumeist, was gemeint ist und quittiert die Bemühungen des anderen mit einem Lächeln.

Drei Projekttage gehen schnell vorbei. Eine Studierene der Fachschule kommentiert: „Es ist wie beim Essen zubereiten. Die Vorbereitungen dauern ewig und dann hat man in zehn Minuten alles aufgegessen.“ Das Bild passt, denn die zu leistende gedankliche Vorarbeit nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch als die Durchführung der Projekttage selbst - die Arbeit mit Menschen will eben gut durchdacht und vorbereitet sein. Jedoch lässt sich längst nicht alles planen. So lernen die Studierenden der Fachschule ihre TeilnehmerInnen erst mit Projektbeginn kennen und planen damit immer auch ins Ungewisse, was durchaus Verunsicherung und Spannung auslöst. In der Heterogenität der Gruppen liegt eine der großen Herausforderung für die ProjekteilerInnen. Neben den Unterstufenklassen der Sozialassistenz und Fachschule für Sozialwesen nehmen auch PuSCH-Klassen (Praxis und Schule) sowie mehrere InteA-Klassen (Integration durch Anschluss und Abschluss) teil.  Dadurch ergibt sich eine große Vielfalt hinsichtich der angestrebten Bildungsabschlüsse, des Alters, der Nationalitäten und auch hinsichtlich der Sprachen bzw. des Sprachverständnisses. Spätestens am zweiten Projekttag ist jedoch das Eis zwischen den ProjektleiterInnen und Teilnehmenden gebrochen. Am Ende des dritten Tages treffen sich alle Projektgruppen zur Abschlusspräsentation in der Bewegungshalle. Jede Gruppe erhält die Gelegenheit ihre Arbeiten vorzustellen und dabei werden u.a. Kunstwerke aus Gips, Alltagsgegenständen und Naturmaterialien, aber auch Fotoarbeiten oder Kurzfilme präsentiert. Immer wieder ist Applaus, Lachen und „Danke, das habt ihr toll gemacht“ zu hören. Eine der Gruppen stellt ein gemeinschaftlich erarbeitetes Gipsbild vor, das den Titel „Gemeinsam sind wir stark“ trägt. Die Gruppe bringt auf den Punkt, was während der drei Tage gut zu spüren ist: Wir alle sind verschieden, aber uns eint das menschliche Bedürfnis nach Akzeptanz, Wertschätzung und Verständigung. „Wir sind eine Schule gegen Rassismus und mit Courage - wir stellen uns gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt und stehen für Zusammenhalt und Gemeinschaft“, so der prägnante Schlusssatz.

Bei der Reflexion zwei Tage später sitzen die angehenden Fachkräfte wieder munter in der Runde. Bei der Frage nach ihren Erfahrungen wird deutlich: Planung vorab ist wichtig - echte Nähe zu Menschen entsteht aber dort, wo man bereit ist, sich ernsthaft auf sein Gegenüber einzulassen.

Für die Studierenden der Fachschule für Sozialwesen im zweiten Ausbildungsjahr geht die Arbeit weiter. Eine wesentliche Aufgabe der angehenden Fachkräfte besteht nun darin, eine umfassende Dokumentation sowie Reflexion zu schreiben. Auch dies gehört dazu, will man Erzieherin oder Erzieher werden. Zudem stehen weitere Projekte im Rahmen der Ausbildung an. Diese werden im kommenden Jahr in verschiedenen Einrichtungen der sozialpädagogischen Praxis stattfinden.

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