Vielfältiges Angebot für Erzieherinnen und Erzieher im Anerkennungsjahr

fachschule12 2016

„Morgen sehen wir uns endlich alle wieder!“, so lautet eine Nachricht in der noch immer bestehenden Whatsapp-Klassengruppe der ehemaligen Klasse 02 FSP1 der Fachschule für Sozialwesen am BerufsschulCampus Schwalmstadt. Die Textnachricht bezieht sich auf die sog. „Blocktage“ für Erzieherinnen und Erzieher im Anerkennungsjahr, die von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche auf dem Campus der Beruflichen Schulen in Ziegenhain sowie im Forensischen Institut in Gießen stattfanden.

Die im Sommer nach zweijähriger Vollzeit-Ausbildung verabschiedeten Studierenden arbeiten inzwischen als Fachkräfte in verschiedenen sozialen Einrichtungen und absolvieren somit ihren dritten und damit letzten Ausbildungsabschnitt -das Anerkennungsjahr zur staatlich anerkannten Erzieherin/ zum staatlich anerkannten Erzieher. Das Spektrum an Arbeitsbereichen ist groß: Ein Teil der Fachkräfte absolviert das Anerkennungsjahr in Kindertageseinrichtungen (Krippe, Kita, Hort), nicht wenige entschieden sich für eine Tätigkeit in der Jugend-oder Behindertenhilfe. Auch während ihres Berufspraktikums werden die Fachkräfte weiterhin von der Schule begleitet. Eine intensive Vernetzung zwischen den beiden Ausbildungsorten Schule und Praxis ist für die Professionalisierung der Erzieherinnen und Erzieher wichtig; dies gilt nicht nur für die während der schulischen Ausbildung absolvierten Praktika, sondern insbesondere für das Anerkennungsjahr.

Während der „Blocktage“ findet zum einen ein reger Austausch unter den frisch ausgebildeten Fachkräften statt. Es wird intensiv reflektiert und nach Anregungen für das berufliche Handeln gesucht. „Wie macht ihr das denn bei euch in der Kita?“, diese Frage hört man öfter und sie ist häufig Ausgangspunkt für lebhafte Diskussionen. Die Blocktage dienen zum anderen auch der fachlichen Vertiefung. Themen wie „Trauerarbeit“, „Lerngeschichten“, „Resilienz -Die eigene Widerstandskraft stärken“ oder auch „Ausgewählte Aspekte der Projektarbeit“ standen diesmal auf dem Programm. Den „Lösungsorientierten Ansatz“ lernten die Fachkräfte im Anerkennungsjahr durch ein Angebot zweier Mitarbeiter der Stiftung Beiserhaus, einer Jugendhilfeeinrichtung, kennen und damit auch die Grundprinzipien der Lösungsfokussierung.

Nachhaltig wirkt sicher auch der Besuch des Forensichen Konsils der Universität Gießen am vergangenen Freitag. Mit Hilfe zahlreicher Bilder zeigte der Arzt und Jurist Prof. Dr. Dr. Dettmeyer, Leiter des Gerichtsmedizinischen Instituts, den Unterschied zwischen einmaligen Verletzungen infolge von Unfällen und absichtlich herbeigeführten, wiederholten Misshandlungen an Kindern auf. Die Fachkräfte erhielten Einsicht, wie Verletzungen durch Verbrennungen, Verbrühungen oder durch Einwirkung von Gegenständen sichtbar werden, aber auch Informationen darüber, welche Auswirkungen das Schütteln von Säuglingen bzw. Kindern hat und durch welche körperlichen Reaktionen dies erkannt werden kann. Unterschieden wurden sturztypische, spieltypische und lagerungstypische Verletzungen. Der Vortrag wurde durch Informationen zum § 8a SGB VIIII (Schutzauftrag bei Kindswohlgefährdung) ergänzt. Frau Matthes, Ärztin und Mitarbeiterin des Forensischen Konsils, berichtete von ihrer Arbeit in der rechtmedizinischen Ambulanz und zeigte auf, wie die Erzieherinnen und Erzieher bei Verdachtsfällen reagieren und vorgehen können. Auch wenn die gezeigten Fotos sowie der Vortrag schwer auszuhalten waren, so sind sich die Fachkräfte im Anerkennungsjahr dennoch einig: Wir müssen uns mit diesen furchtbaren Dingen auseinandersetzen, um sensibel für diese Thematik zu werden und Kindern helfen zu können.